Studieninhalte und Fächer bei der Polizei: So ist das Studium aufgebaut
Wie läuft das Studium bei der Polizei ab? Erfahre, welche Inhalte, Praxisphasen und Prüfungen dich erwarten und welche Voraussetzungen du für den Studienstart erfüllen musst.
Wie sieht das Studium bei der Polizei eigentlich aus? Sitzt du hauptsächlich im Hörsaal und lernst Gesetze auswendig – oder bist du schon während des Studiums regelmäßig auf der Straße unterwegs? Tatsächlich verbindet das Polizeistudium beides: wissenschaftliche Theorie, polizeiliches Training und praktische Einsätze.
Welche Fächer genau auf deinem Stundenplan stehen, hängt von der jeweiligen Landespolizei oder der Bundespolizei ab. Auch Modulnamen und Schwerpunkte unterscheiden sich. Trotzdem gibt es viele Inhalte, die dir in ähnlicher Form bei fast allen Polizeistudiengängen begegnen. Dazu gehören insbesondere Recht, Kriminalistik, Kriminologie, Einsatzlehre, Psychologie, Kommunikation, Sport und praktisches Polizeitraining. Offizielle Studienpläne verschiedener Polizeien zeigen genau diese Mischung.
Inhalte:
- Wie ist das Studium bei der Polizei aufgebaut?
- Welche Fächer gibt es im Polizeistudium?
- Recht: Warum Gesetze im Polizeistudium so wichtig sind
- Kriminalistik: Wie werden Straftaten aufgeklärt?
- Kriminologie: Warum werden Menschen kriminell?
- Einsatzlehre: Wie handelst du in einer konkreten Polizeilage?
- Psychologie und Kommunikation
- Verkehrslehre und Verkehrsrecht
- Sport und körperliche Ausbildung
- Einsatztraining und Selbstverteidigung
- Schießausbildung
- Gibt es auch Englisch und IT?
- Welche Rolle spielt die Praxis?
- Unterscheiden sich Schutzpolizei und Kriminalpolizei im Studium?
- Muss man im Polizeistudium viel lernen?
- Welche Prüfungen gibt es im Polizeistudium?
Wie ist das Studium bei der Polizei aufgebaut?
Für den Einstieg in den gehobenen Polizeivollzugsdienst absolvierst du in vielen Bundesländern ein dreijähriges duales Bachelorstudium. Bei der Bundespolizei dauert das Studium im gehobenen Dienst ebenfalls drei Jahre, endet dort allerdings mit einem Diplomabschluss.
„Dual“ bedeutet: Du studierst nicht drei Jahre ausschließlich an einer Hochschule. Stattdessen wechseln sich theoretische Studienabschnitte, praktische Ausbildung und Praktika bei Polizeidienststellen ab. Typischerweise lernst du zunächst die rechtlichen und polizeilichen Grundlagen. Danach werden die Fälle und Einsatzsituationen komplexer. Gleichzeitig sammelst du praktische Erfahrungen bei Dienststellen und lernst, das theoretische Wissen im echten Polizeialltag anzuwenden.
Das Polizeistudium lässt sich vereinfacht so darstellen:
Grundlagenstudium → Polizeitraining → Praktikum → vertiefendes Studium → weitere Praxisphasen → Bachelorarbeit bzw. Abschlussprüfung → Ernennung
Die genaue Reihenfolge unterscheidet sich jedoch je nach Polizei.
Welche Fächer gibt es im Polizeistudium?
Ein Polizeistudium besteht nicht aus einem einzigen großen Fach namens „Polizei“. Du beschäftigst dich mit zahlreichen Disziplinen, die später im Polizeialltag zusammenwirken.
Typische Studienbereiche sind:
- Strafrecht
- Strafprozessrecht
- Polizei- und Verwaltungsrecht
- Verfassungsrecht
- Kriminalistik
- Kriminologie
- Einsatzlehre
- Verkehrslehre und Verkehrsrecht
- Psychologie
- Soziologie
- Kommunikation
- Berufsethik
- Führungslehre
- politische Bildung
- Englisch oder andere Fremdsprachen
- Informationstechnik
- Sport
- Einsatztraining
- Schießausbildung
- wissenschaftliches Arbeiten
Welche Bezeichnungen verwendet werden, ist unterschiedlich. In modernen Studiengängen werden mehrere Fachgebiete häufig zu größeren Modulen zusammengefasst. So verbindet beispielsweise die Hochschule der Sächsischen Polizei rechtliche, sozialwissenschaftliche, kriminalistische und einsatzbezogene Inhalte innerhalb gemeinsamer Module.
Recht: Warum Gesetze im Polizeistudium so wichtig sind
Recht gehört zu den wichtigsten Bestandteilen des Polizeistudiums. Schließlich dürfen Polizeibeamte in Rechte von Bürgern eingreifen – beispielsweise eine Person kontrollieren, durchsuchen, festnehmen oder bestimmte Gegenstände sicherstellen.
Du musst deshalb lernen, wann eine polizeiliche Maßnahme erlaubt ist und welche Grenzen gelten.
Zu den typischen Rechtsfächern gehören:
- Strafrecht
- Strafprozessrecht
- Polizei- und Ordnungsrecht
- Staats- und Verfassungsrecht
- Verwaltungsrecht
- teilweise Zivilrecht
Im Strafrecht beschäftigst du dich beispielsweise damit, welche Voraussetzungen für Diebstahl, Körperverletzung, Betrug oder andere Straftaten erfüllt sein müssen.
Im Strafprozessrecht lernst du dagegen, wie Ermittlungen rechtlich durchgeführt werden dürfen. Dazu gehören Fragen wie: Wann darf eine Wohnung durchsucht werden? Wann darf jemand festgenommen werden? Wie müssen Beweise gesichert werden?
Damit wird schnell klar: Jura ist im Polizeistudium kein abstraktes Nebenfach, sondern unmittelbare Grundlage für deinen späteren Dienst.
Kriminalistik: Wie werden Straftaten aufgeklärt?
Kriminalistik beschäftigt sich mit der praktischen Aufklärung von Straftaten.
Du lernst beispielsweise:
- Tatorte richtig zu beurteilen,
- Spuren zu erkennen und zu sichern,
- Zeugen zu befragen,
- Beschuldigte zu vernehmen,
- Ermittlungsansätze zu entwickeln,
- Beweise zu bewerten,
- Zusammenhänge zwischen Taten herzustellen.
Dabei geht es nicht nur um spektakuläre Mordfälle. Kriminalistische Methoden brauchst du auch bei Einbruch, Körperverletzung, Betrug, Drogendelikten oder Cybercrime.
Je nach Studiengang werden diese Inhalte später weiter vertieft. In Hessen gehören beispielsweise Ermittlungsverfahren und besondere Kriminalitätsphänomene ausdrücklich zu den Studieninhalten; im Studiengang Kriminalpolizei kommen unter anderem Vernehmungen und verdeckte Informationsbeschaffung hinzu.
Kriminologie: Warum werden Menschen kriminell?
Kriminalistik fragt vor allem: Wie klären wir eine Straftat auf?
Kriminologie stellt dagegen stärker die Frage: Warum entstehen Kriminalität und bestimmte Kriminalitätsformen überhaupt?
Du beschäftigst dich beispielsweise mit Ursachen von Kriminalität, Täter- und Opferstrukturen, gesellschaftlichen Entwicklungen und verschiedenen Erscheinungsformen von Straftaten. Dazu können Themen wie Jugendkriminalität, Gewaltkriminalität, organisierte Kriminalität oder politisch motivierte Kriminalität gehören.
Kriminologie verbindet deshalb Erkenntnisse aus Rechtswissenschaften, Psychologie und Sozialwissenschaften.
Einsatzlehre: Wie handelst du in einer konkreten Polizeilage?
In der Einsatzlehre lernst du, polizeiliche Situationen systematisch einzuschätzen und geeignete Maßnahmen zu planen. Das kann eine alltägliche Verkehrskontrolle sein, aber auch eine Demonstration, ein größerer Verkehrsunfall oder eine gefährliche Einsatzlage.
Du beschäftigst dich beispielsweise mit folgenden Fragen:
- Welche Gefahren bestehen?
- Welche Kräfte werden benötigt?
- Wie wird ein Einsatz organisiert?
- Welche Maßnahmen haben Priorität?
- Wie arbeitet ein Team zusammen?
- Wie wird eine Lage geführt?
Später können auch komplexe Einsatzlagen Bestandteil des Studiums sein. Im sächsischen Bachelorstudiengang gibt es beispielsweise ein eigenes Modul zum „Polizeilichen Einsatz in komplexen Lagen“.
Psychologie und Kommunikation
Polizeiarbeit besteht zu einem großen Teil aus Kommunikation. Du hast mit Opfern, Zeugen, Tatverdächtigen, aggressiven Personen oder Menschen in psychischen Ausnahmesituationen zu tun. Deshalb gehören Psychologie und Kommunikation ebenfalls zum Studium.
Du lernst beispielsweise:
- Gespräche strukturiert zu führen,
- Konflikte zu erkennen,
- deeskalierend zu kommunizieren,
- menschliches Verhalten einzuschätzen,
- mit Stresssituationen umzugehen,
- professionell mit unterschiedlichen Personengruppen zu arbeiten.
Psychologische Kenntnisse können außerdem bei Vernehmungen, Konflikten und besonderen Einsatzlagen wichtig sein. Auch bei der Bundespolizei gehören Psychologie und Führungslehre ausdrücklich zu den Studieninhalten des gehobenen Dienstes.
Verkehrslehre und Verkehrsrecht
Gerade bei der Schutzpolizei spielt der Straßenverkehr eine große Rolle. Im Studium lernst du deshalb unter anderem, wie Verkehrsunfälle aufgenommen werden, welche Verkehrsverstöße vorliegen können und wie Verkehrskontrollen durchgeführt werden.
Zu den möglichen Themen gehören:
- Straßenverkehrsrecht
- Unfallaufnahme
- Verkehrskontrollen
- Alkohol und Drogen im Straßenverkehr
- Verkehrssicherheit
- Verkehrsüberwachung
Auch hier verbinden sich Theorie und Praxis. Du musst Rechtsvorschriften kennen und gleichzeitig wissen, wie du sie im konkreten Einsatz anwendest.
Sport und körperliche Ausbildung
Polizeiarbeit kann körperlich anstrengend sein. Deshalb endet der Sport nach dem Einstellungstest nicht.
Sport und körperliches Training gehören auch während des Studiums zur Ausbildung. Je nach Polizei werden beispielsweise Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Koordination oder Schwimmen trainiert. Dabei geht es nicht nur darum, gute Sportnoten zu erzielen. Du sollst die körperliche Leistungsfähigkeit entwickeln beziehungsweise erhalten, die du später für den Polizeidienst brauchst.
Hinzu kommen praktische Übungen, bei denen körperliche Fitness unmittelbar mit polizeilichem Handeln verbunden wird.
Einsatztraining und Selbstverteidigung
Besonders praxisnah ist das Einsatztraining. Hier lernst du beispielsweise, wie du Personen kontrollierst, gefährliche Situationen einschätzt und Zwangsmittel rechtmäßig und sicher einsetzt.
Typische Inhalte können sein:
- Eigensicherung
- Festnahmetechniken
- Durchsuchung von Personen
- Fesseltechniken
- Selbstverteidigung
- Kommunikation in Konfliktsituationen
- Einsatz von Hilfsmitteln
- Verhalten in gefährlichen Einsatzlagen
Übungen werden häufig möglichst realitätsnah gestaltet. Dadurch trainierst du nicht nur einzelne Techniken, sondern musst rechtliche Entscheidung, Kommunikation und taktisches Verhalten miteinander verbinden.
Schießausbildung
Auch der sichere Umgang mit der Dienstwaffe gehört zur polizeilichen Ausbildung.
Dabei geht es nicht nur darum, ein Ziel zu treffen. Du lernst insbesondere:
- sicheren Umgang mit Waffen,
- rechtliche Voraussetzungen des Schusswaffengebrauchs,
- taktisches Verhalten,
- Entscheidungsverhalten unter Stress,
- regelmäßiges Schießtraining.
Der Einsatz einer Schusswaffe ist eine besonders weitreichende polizeiliche Maßnahme. Deshalb spielen rechtliche und taktische Aspekte ebenso eine Rolle wie die reine Schießtechnik.
Gibt es auch Englisch und IT?
Ja. Moderne Polizeiarbeit ist zunehmend international und digital.
Fremdsprachen können beispielsweise bei Kontrollen, internationalen Ermittlungen oder im Umgang mit ausländischen Behörden wichtig werden. Deshalb gehören Englisch beziehungsweise Fremdsprachen bei verschiedenen Polizeien zum Studium.
Auch Informationstechnik spielt eine immer größere Rolle. Polizeibeamte arbeiten mit digitalen Informationssystemen, Datenbanken und elektronischen Beweismitteln.
In speziellen Studiengängen kann IT sogar einen Schwerpunkt bilden. Hessen bietet beispielsweise neben Schutz- und Kriminalpolizei einen Schwerpunkt Cyberkriminalistik an, bei dem zusätzliche Kenntnisse in Informatik und Kommunikationstechnik vermittelt werden.
Welche Rolle spielt die Praxis?
Eine sehr große Rolle. Polizeistudiengänge sollen dich schließlich nicht nur wissenschaftlich ausbilden, sondern auf einen konkreten Beruf vorbereiten. Deshalb absolvierst du während des Studiums mehrere Praxisphasen. Dort kannst du beispielsweise Dienststellen kennenlernen und erfahren, wie Streifendienst, Ermittlungsarbeit oder andere Polizeiaufgaben tatsächlich funktionieren.
Bei der Bundespolizei umfasst das dreijährige Studium beispielsweise insgesamt rund neun Monate praktische Verwendung. Eine erste Praxisphase kann dort unter anderem im bahnpolizeilichen Kontroll- und Streifendienst stattfinden.
In den Landespolizeien werden die Praxisabschnitte anders organisiert, das Grundprinzip ist jedoch ähnlich: Theorie lernen, praktisch anwenden, Erfahrungen auswerten und anschließend weiter vertiefen.
Unterscheiden sich Schutzpolizei und Kriminalpolizei im Studium?
Das hängt stark von der jeweiligen Polizei ab. In einigen Bundesländern absolvieren zunächst alle Studierenden ein weitgehend gemeinsames Polizeistudium und spezialisieren sich später. Andere bieten bereits früh unterschiedliche Studienrichtungen oder Schwerpunkte an. Bei einem stärker schutzpolizeilichen Studium können beispielsweise Einsatzlehre, Verkehr und Streifendienst stärker gewichtet sein.
Ein kriminalpolizeilicher Schwerpunkt beschäftigt sich intensiver mit:
- Ermittlungsverfahren,
- Kriminalistik,
- Vernehmungen,
- besonderen Kriminalitätsformen,
- verdeckter Informationsgewinnung,
- kriminalpolizeilicher Sachbearbeitung.
Hessen bietet beispielsweise eigenständige Studiengänge für Schutzpolizei und Kriminalpolizei an. Diese unterscheiden sich in mehreren Pflichtmodulen. Das ist jedoch nicht automatisch auf andere Bundesländer übertragbar.
Muss man im Polizeistudium viel lernen?
Ja. Das Studium sollte nicht unterschätzt werden. Besonders die Kombination verschiedener Fachgebiete macht es anspruchsvoll. Du musst beispielsweise juristische Vorschriften verstehen, kriminalistische Zusammenhänge erkennen, Klausuren bestehen und gleichzeitig sportlich sowie praktisch leistungsfähig bleiben. Hinzu kommen Praktika und Prüfungen.
Das Polizeistudium ist deshalb kein „Sportstudium mit etwas Recht“, aber auch kein reines Jurastudium. Du brauchst unterschiedliche Fähigkeiten gleichzeitig. Wer gerne abwechslungsreich lernt und Theorie unmittelbar praktisch anwenden möchte, kann genau darin einen großen Vorteil sehen.
Welche Prüfungen gibt es im Polizeistudium?
Die Prüfungsformen unterscheiden sich ebenfalls je nach Hochschule.
Typisch sind beispielsweise:
- Klausuren
- schriftliche Ausarbeitungen
- mündliche Prüfungen
- praktische Leistungsnachweise
- Sportprüfungen
- Einsatztrainings
- Präsentationen
- Modulprüfungen
- Bachelorarbeit beziehungsweise Diplomarbeit
Am Ende eines Bachelorstudiums steht normalerweise außerdem eine wissenschaftliche Abschlussarbeit. In Hessen gehören beispielsweise Thesis und Kolloquium ausdrücklich zum Studienplan.
Was ist das Besondere am Polizeistudium?
Das Besondere ist vor allem die Verbindung völlig unterschiedlicher Fachgebiete.
Morgens beschäftigst du dich vielleicht mit Strafrecht, später trainierst du eine Festnahmesituation und am nächsten Tag geht es um Psychologie oder Kriminalistik. In einer Praxisphase sitzt du dann tatsächlich im Streifenwagen oder lernst eine Dienststelle kennen.
Genau darauf zielt die Ausbildung ab. Eine gute Polizistin oder ein guter Polizist muss nicht nur Gesetze kennen oder körperlich fit sein.
Du musst gleichzeitig rechtlich korrekt entscheiden, Situationen schnell erfassen, mit Menschen umgehen, im Team handeln und auch unter Stress verantwortungsvoll bleiben.
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