BFE und BFE+ bei der Bundespolizei: Was machen die Einheiten?
Was unterscheidet BFE und BFE+ bei der Bundespolizei? Erfahre, welche Aufgaben beide Einheiten übernehmen, wie sie eingesetzt werden und welche Anforderungen dich dort erwarten.
Beweissicherung bei Ausschreitungen, Festnahmen gewalttätiger Personen und Einsätze in besonders gefährlichen Situationen: Die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten der Bundespolizei – kurz BFE – gehören zu den besonders spezialisierten Kräften der Bundesbereitschaftspolizei.
Noch einmal besondere Fähigkeiten besitzt die BFE+, ausgeschrieben Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit Plus. Sie wurde geschaffen, um eine Lücke zwischen den regulären Kräften der Bundesbereitschaftspolizei und Spezialkräften wie der GSG 9 zu schließen. Bei besonderen Gefährdungslagen kann eine BFE+ deshalb Aufgaben übernehmen, die deutlich über den normalen Einsatz einer BFE hinausgehen.
Inhalte:
- Was bedeutet BFE bei der Bundespolizei?
- Welche Aufgaben hat eine BFE?
- Wo kommen BFE-Einheiten zum Einsatz?
- Wie ist eine BFE organisiert?
- Was bedeutet BFE+?
- Warum wurde die BFE+ gegründet?
- Welche Aufgaben hat die BFE+?
- Darf eine BFE+ selbst gegen bewaffnete Täter vorgehen?
- Ist die BFE+ dasselbe wie die GSG 9?
- Wo gibt es BFE+ bei der Bundespolizei?
- Wie kommt man zur BFE der Bundespolizei?
- Welche Voraussetzungen braucht man für die BFE?
- Wie kommt man zur BFE+?
- Ist die BFE eine Spezialeinheit?
- Was macht die Arbeit bei BFE und BFE+ besonders?
Was bedeutet BFE bei der Bundespolizei?
Die Abkürzung BFE steht für:
Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit
Diese Einheiten sind Teil der Bundesbereitschaftspolizei. Ihre besondere Stärke liegt darin, polizeiliche Maßnahmen gegen gewaltbereite oder tatverdächtige Personen mit einer beweissicheren Dokumentation zu verbinden.
Das heißt: Es geht nicht nur darum, eine Person festzunehmen. Gleichzeitig sollen Straftaten beobachtet, Täter eindeutig identifiziert und Beweismittel so gesichert werden, dass sie später in einem Strafverfahren verwendet werden können.
Nach Angaben der Bundespolizei liegen Schwerpunkte heute insbesondere bei besonderen Einsatzlagen mit hohem Gefahrenpotenzial sowie beim Vorgehen gegen gewalttätige Personen und Angehörige organisierter Kriminalität.
Welche Aufgaben hat eine BFE?
Eine BFE kann in sehr unterschiedlichen Lagen eingesetzt werden. Besonders wichtig ist die Einheit dort, wo Straftaten aus größeren Menschenmengen heraus begangen werden oder wo gezielte Festnahmen erforderlich sind.
Zu den typischen Aufgaben gehören beispielsweise:
- Beobachtung von Tatverdächtigen,
- Beweissicherung,
- Identifizierung von Straftätern,
- Festnahmen,
- verdeckte Aufklärung,
- Unterstützung bei Durchsuchungen,
- Maßnahmen gegen gewaltbereite Personen,
- Unterstützung bei größeren Einsatzlagen.
Die Bundespolizei beschreibt ausdrücklich das Zusammenspiel von Tatbeobachtung, verdeckter Aufklärung, Festnahme, Beweissicherung und Dokumentation als Grundlage der BFE-Arbeit. Dazu können auch Gefangenentransport und die weitere Bearbeitung eines Sachverhalts gehören.
Wo kommen BFE-Einheiten zum Einsatz?
Ein besonders bekanntes Einsatzfeld sind Demonstrationen oder andere Großveranstaltungen. Kommt es dort beispielsweise aus einer Gruppe heraus zu Flaschenwürfen, tätlichen Angriffen oder anderen Straftaten, müssen die Täter möglichst eindeutig identifiziert werden. Gleichzeitig muss die Polizei entscheiden, wann und wie eine Festnahme erfolgen kann, ohne die Lage unnötig zu verschärfen.
Genau für solche Situationen sind BFE besonders ausgebildet. Ihre Aufgaben beschränken sich aber längst nicht mehr auf Demonstrationen. Die Bundespolizei nennt mittlerweile auch Einsätze gegen Gewalttäter und Angehörige der organisierten Kriminalität sowie strafprozessuale Maßnahmen wie Durchsuchungen und Festnahmen.
Wie ist eine BFE organisiert?
Die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten gehören zur Bundesbereitschaftspolizei.
Drei BFE bilden gemeinsam mit einer Führungsgruppe und einem eigenen Unterstützungsdienst eine Beweissicherungs- und Festnahmehundertschaft – kurz BFHu.
Diese wiederum gehören zu den Bundespolizeiabteilungen der Bundesbereitschaftspolizei.
Die Direktion Bundesbereitschaftspolizei mit Sitz in Fuldatal führt insgesamt zehn Bundespolizeiabteilungen im gesamten Bundesgebiet. Die Bundesbereitschaftspolizei kann sowohl für eigene Aufgaben der Bundespolizei als auch zur Unterstützung der Polizeien der Länder eingesetzt werden.
Was bedeutet BFE+?
Die Abkürzung BFE+ steht für:
Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit Plus
Das Plus ist dabei entscheidend.
Eine BFE+ ist zunächst eine reguläre BFE. Ihre Beamten erhalten anschließend eine zusätzliche Spezialfortbildung und besondere Ausrüstung. Dadurch können sie in Einsatzlagen tätig werden, die ein höheres Gefahrenpotenzial aufweisen.
Die BFE+ soll insbesondere die Lücke zwischen den normalen Kräften der Bundesbereitschaftspolizei und hoch spezialisierten Einheiten wie der GSG 9 der Bundespolizei schließen.
Warum wurde die BFE+ gegründet?
Ein wichtiger Hintergrund waren die terroristischen Anschläge in Europa im Jahr 2015. Zwar verfügten die Polizeien der Länder bereits über Spezialeinsatzkommandos und die Bundespolizei über die GSG 9. Gleichzeitig stellte sich aber die Frage, ob bei mehreren außergewöhnlichen Gefahrenlagen gleichzeitig genügend besonders qualifizierte Kräfte kurzfristig verfügbar wären. Daraufhin begann die Bundespolizei mit dem Aufbau der BFE+.
Die erste Einheit wurde 2016 in Blumberg aufgestellt. Damals wurden 50 bereits erfahrene Polizeivollzugsbeamte aus Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten in einer sechswöchigen Spezialausbildung bei der GSG 9 auf die zusätzlichen Aufgaben vorbereitet. Schwerpunkte waren unter anderem das taktische Vorgehen gegen bewaffnete Personen und intensives Schießtraining.
Welche Aufgaben hat die BFE+?
Eine BFE+ kann bei besonderen Gefährdungs- oder Fahndungslagen eingesetzt werden.
Die Bundespolizei nennt unter anderem folgende Aufgaben:
- offenes und verdecktes Vorgehen in Gefahrenlagen,
- Durchsuchung von Gelände,
- Betrieb besonders gesicherter Kontrollstellen,
- Vorgehen gegen bewaffnete Täter,
- Schutz unbeteiligter Personen,
- Evakuierung von Verletzten aus Gefahrenbereichen,
- Versorgung Verletzter,
- Unterstützung der GSG 9,
- Unterstützung von Spezialeinsatzkommandos der Länder,
- Zugriffsmaßnahmen bei besonders gefährlichen Tätern.
Die BFE+ kann außerdem eingreifen, wenn Spezialkräfte wie GSG 9 oder SEK nicht rechtzeitig am Einsatzort eintreffen können.
Darf eine BFE+ selbst gegen bewaffnete Täter vorgehen?
Ja. Genau darin liegt eine wesentliche Besonderheit der BFE+. Bei unmittelbarer Gefahr kann sie Täter binden und daran hindern, weiter vorzugehen. Sind Spezialkräfte nicht schnell genug verfügbar, können Angehörige der BFE+ nach Angaben der Bundespolizei auch eigenständig gegen Täter vorgehen.
In extremen Situationen kann ein sogenannter Notzugriff erforderlich sein. Dabei geht es um Fälle, in denen sofort gehandelt werden muss, um eine akute Lebensgefahr für Geiseln, Unbeteiligte oder Einsatzkräfte abzuwehren. Die Bundespolizei weist ausdrücklich darauf hin, dass dies gegebenenfalls auch unter Einsatz von Schusswaffen erfolgen kann.
Ist die BFE+ dasselbe wie die GSG 9?
Nein. Die GSG 9 ist eine Spezialeinheit der Bundespolizei und insbesondere für besonders schwere Gefahrenlagen, Terrorismus und schwere Gewaltkriminalität ausgebildet.
Die BFE+ wurde dagegen gerade dafür geschaffen, eine Fähigkeitslücke zwischen Bundesbereitschaftspolizei und GSG 9 zu schließen.
Vereinfacht gesagt:
BFE: besonders qualifizierte Kräfte für Beweissicherung, Festnahmen und gewaltintensive Einsatzlagen.
BFE+: zusätzlich ausgebildete BFE für Hochrisiko- und besondere Gefährdungslagen.
GSG 9: hoch spezialisierte Spezialeinheit für besonders schwere und außergewöhnliche Einsatzlagen.
Die Bereiche können sich in bestimmten Situationen überschneiden und gegenseitig unterstützen.
Wo gibt es BFE+ bei der Bundespolizei?
Aktuell gibt es BFE+ an fünf Standorten:
- Uelzen
- Blumberg
- Bayreuth
- Sankt Augustin
- Hünfeld
An diesen Standorten wurde jeweils eine BFE mit zusätzlicher Fortbildung und spezieller Ausstattung zur BFE+ weiterqualifiziert.
Die Einheiten können bundesweit eingesetzt werden.
Wie kommt man zur BFE der Bundespolizei?
Für eine Verwendung bei einer BFE musst du zunächst Polizeivollzugsbeamter bei der Bundespolizei werden. Der Einstieg erfolgt beispielsweise über die Ausbildung im mittleren Polizeivollzugsdienst oder das Studium für den gehobenen Polizeivollzugsdienst.
Die BFE ist anschließend eine besondere Verwendung innerhalb der Bundespolizei. Du wirst also nicht direkt nach der Schule zum „BFE-Beamten“ ausgebildet. Für eine solche Verwendung werden geeignete Beamte ausgewählt und speziell fortgebildet.
Die Bundespolizei hat 2026 selbst darauf hingewiesen, dass zu den BFE ein eigenes Auswahlverfahren und eine besondere Fortbildung gehören.
Welche Voraussetzungen braucht man für die BFE?
Die konkreten Anforderungen eines internen Auswahlverfahrens können sich verändern und werden nicht immer vollständig öffentlich dargestellt.
Aus dem Aufgabenspektrum lässt sich aber erkennen, welche Fähigkeiten besonders wichtig sind:
- sehr gute körperliche Fitness,
- Belastbarkeit,
- Teamfähigkeit,
- schnelle Reaktionsfähigkeit,
- sicheres taktisches Verhalten,
- Verantwortungsbewusstsein,
- Stressresistenz,
- hohe Konzentrationsfähigkeit,
- gute Selbstkontrolle.
Bei Festnahmen innerhalb einer gewalttätigen Menschenmenge müssen Beamte beispielsweise sehr schnell handeln und gleichzeitig die eigene Sicherheit, die Sicherheit ihrer Kollegen und die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen im Blick behalten.
Wie kommt man zur BFE+?
Die BFE+ ist kein eigenständiger Berufseinstieg. Zunächst arbeitest du in einer regulären BFE. Geeignete BFE-Beamte können anschließend die zusätzliche Ausbildung für die BFE+ absolvieren.
Die erste BFE+ erhielt dafür beispielsweise eine mehrwöchige Ergänzungsfortbildung bei der GSG 9. Auch heute beschreibt die Bundespolizei die BFE+ als normale BFE, deren Beamte durch eine Ergänzungsfortbildung und zusätzliche Ausstattung für das erweiterte Aufgabenspektrum qualifiziert werden.
Der mögliche Karriereweg lässt sich deshalb vereinfacht so darstellen:
Bewerbung Bundespolizei → Ausbildung oder Studium → Polizeivollzugsdienst → Auswahl für BFE → BFE-Ausbildung und Verwendung → Auswahl und Zusatzqualifikation → BFE+
Eine spätere Verwendung ist dabei immer von Eignung, Bedarf und verfügbaren Stellen abhängig.
Ist die BFE eine Spezialeinheit?
Hier sollte man sprachlich unterscheiden.
Eine BFE ist eine spezialisierte Einheit der Bundesbereitschaftspolizei, die für besondere polizeiliche Lagen über spezielle Ausbildung und Ausstattung verfügt.
Sie ist aber nicht mit einer klassischen Spezialeinheit wie der GSG 9 gleichzusetzen.
Die BFE+ verfügt nochmals über erweiterte Fähigkeiten, bleibt organisatorisch jedoch Bestandteil der Beweissicherungs- und Festnahmestrukturen der Bundesbereitschaftspolizei. Gerade deshalb bezeichnet die Bundespolizei die BFE+ als Bindeglied beziehungsweise Fähigkeitsbrücke zwischen Bundesbereitschaftspolizei und GSG 9.
Was macht die Arbeit bei BFE und BFE+ besonders?
Bei diesen Einheiten treffen mehrere Fähigkeiten zusammen. Die Beamten müssen Straftaten erkennen und dokumentieren, Tatverdächtige identifizieren und gleichzeitig in körperlich und taktisch anspruchsvollen Situationen handeln können.
Eine Festnahme bei einer Demonstration ist beispielsweise etwas völlig anderes als eine Festnahme in einer ruhigen Wohnung. In einer dynamischen Menschenmenge können Personen Widerstand leisten, andere Beteiligte eingreifen oder plötzlich neue Gefahren entstehen.
Bei der BFE+ kommen zusätzlich Einsatzlagen mit bewaffneten Tätern und akuten Gefahren für Leib und Leben hinzu.
Für Bewerber bedeutet das: Interesse an solchen Einheiten sollte nicht nur aus dem Wunsch nach „Action“ entstehen. Gefragt sind vor allem Disziplin, Verantwortungsbewusstsein, körperliche Leistungsfähigkeit, Teamarbeit und kontrolliertes Handeln unter hohem Druck.
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