Persönlichkeitstest bei der Polizei: Warum wird die charakterliche Eignung geprüft?
Was erwartet dich im Persönlichkeitstest der Polizei? Erfahre, welche Eigenschaften geprüft werden, wie die Fragen aufgebaut sind und worauf es bei deinen Antworten ankommt.
Beim Einstellungstest der Polizei geht es nicht nur um Deutsch, Logik, Konzentration oder Sport. Je nach Bundesland kann auch ein Persönlichkeitstest Bestandteil des Auswahlverfahrens sein. Andere Polizeibehörden prüfen vergleichbare persönliche Merkmale stärker im Interview, Assessment Center, Rollenspiel oder Gruppengespräch.
Der Grund dafür liegt auf der Hand: Polizeibeamte tragen große Verantwortung, treffen teilweise unter Zeitdruck wichtige Entscheidungen und haben täglich mit sehr unterschiedlichen Menschen zu tun. Gute Schulnoten und ein bestandener Sporttest reichen deshalb allein nicht aus. Die Polizei möchte auch einschätzen, ob deine Persönlichkeit und dein Verhalten grundsätzlich zu den Anforderungen des Polizeiberufs passen.
Inhalte:
- Warum prüft die Polizei die Persönlichkeit?
- Gibt es bei jeder Polizei einen Persönlichkeitstest?
- Was wird bei einem Persönlichkeitstest der Polizei geprüft?
- Wie sehen Fragen in einem Persönlichkeitstest aus?
- Gibt es beim Persönlichkeitstest richtige und falsche Antworten?
- Sollte ich beim Persönlichkeitstest immer möglichst positiv antworten?
- Warum werden ähnliche Fragen mehrfach gestellt?
- Was bedeutet „charakterliche Eignung“ bei der Polizei?
- Warum reicht ein Persönlichkeitstest allein nicht aus?
- Welche Persönlichkeit sucht die Polizei?
- Kann man für einen Persönlichkeitstest lernen?
- Kann man beim Persönlichkeitstest durchfallen?
- Persönlichkeitstest und psychologische Untersuchung – ist das dasselbe?
- Warum ist die Persönlichkeit im Polizeiberuf so wichtig?
Warum prüft die Polizei die Persönlichkeit?
Polizeibeamte verfügen über besondere Befugnisse. Sie dürfen beispielsweise Personalien feststellen, Personen durchsuchen, Platzverweise aussprechen, Menschen festnehmen oder unter bestimmten Voraussetzungen unmittelbaren Zwang anwenden.
Damit geht eine besondere Verantwortung einher. Von Polizeibeamten werden deshalb unter anderem Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Selbstkontrolle, Kommunikationsfähigkeit und ein angemessener Umgang mit Konflikten erwartet.
Die charakterliche und persönliche Eignung gehört daher zu den grundlegenden Einstellungsvoraussetzungen. Die Polizei Sachsen nennt beispielsweise ausdrücklich die charakterliche Eignung als Voraussetzung für Ausbildung und Studium. Im Auswahlverfahren werden dort außerdem Verantwortungsbewusstsein, Kommunikationsstärke, Teamfähigkeit sowie psychische und physische Belastbarkeit geprüft.
Gibt es bei jeder Polizei einen Persönlichkeitstest?
Nein. Einen bundesweit einheitlichen Persönlichkeitstest gibt es nicht. Die einzelnen Landespolizeien und die Bundespolizei gestalten ihre Auswahlverfahren selbst. Deshalb kann die persönliche Eignung auf unterschiedliche Weise geprüft werden.
Möglich sind beispielsweise:
- computerbasierte Persönlichkeitstests,
- Persönlichkeitsfragebögen,
- Einzelinterviews,
- Gruppengespräche,
- Rollenspiele,
- Assessment-Center-Aufgaben,
- biografische Fragen.
Die Polizei Sachsen verwendet beispielsweise derzeit einen berufsbezogenen Persönlichkeitstest als Bestandteil des computergestützten Fähigkeitstests. Anschließend folgen dort zusätzlich ein Gruppengespräch zur sozialen Kompetenz und ein strukturiertes Einzelinterview zur persönlichen Kompetenz.
Bei der Bundespolizei gibt es dagegen im derzeit veröffentlichten Auswahlverfahren keinen gesondert bezeichneten computergestützten Persönlichkeitstest. Persönliche Merkmale werden dort unter anderem im Vorstellungsgespräch beziehungsweise Assessment Center betrachtet. Die Bundespolizei erklärt ausdrücklich, dass sie im persönlichen Gespräch erfahren möchte, was für eine Person du bist, wo deine Stärken liegen und was dich für den Polizeiberuf motiviert.
Was wird bei einem Persönlichkeitstest der Polizei geprüft?
Ein Persönlichkeitstest funktioniert anders als ein Wissens- oder Intelligenztest. Es geht normalerweise nicht darum, Rechenaufgaben zu lösen oder die eine richtige Antwort zu finden. Stattdessen soll ein Bild davon entstehen, wie du dich selbst einschätzt und wie du typischerweise denkst oder handelst.
Je nach Verfahren können beispielsweise folgende Merkmale eine Rolle spielen:
- Verantwortungsbewusstsein
- Gewissenhaftigkeit
- Zuverlässigkeit
- Teamfähigkeit
- Kommunikationsfähigkeit
- Selbstkontrolle
- Belastbarkeit
- Konfliktfähigkeit
- Entscheidungsfähigkeit
- Durchsetzungsvermögen
- Einfühlungsvermögen
- Umgang mit Regeln
- Bereitschaft zur Zusammenarbeit
- Umgang mit Stress und Kritik
Welche Merkmale genau erhoben werden und wie sie bewertet werden, veröffentlichen Polizeibehörden nicht immer im Detail.
Wichtig ist außerdem: Ein einzelner Persönlichkeitswert sagt normalerweise nicht allein darüber aus, ob jemand ein guter Polizist wird. Deshalb kombinieren Auswahlverfahren verschiedene Methoden.
Wie sehen Fragen in einem Persönlichkeitstest aus?
Typisch sind Aussagen, die du danach beurteilen musst, wie stark sie auf dich zutreffen. Sie könnten sinngemäß beispielsweise lauten:
„Ich bleibe auch in angespannten Situationen ruhig.“
„Ich übernehme gerne Verantwortung.“
„Kritik beschäftigt mich lange.“
„Ich arbeite lieber allein als im Team.“
„Wenn Regeln keinen Sinn ergeben, halte ich mich nur ungern daran.“
Anschließend gibst du beispielsweise auf einer mehrstufigen Skala an, ob eine Aussage sehr stark, eher, teilweise oder gar nicht auf dich zutrifft. Solche Beispiele verdeutlichen lediglich das Testprinzip. Die konkreten Fragen unterscheiden sich je nach eingesetztem Testverfahren.
Gibt es beim Persönlichkeitstest richtige und falsche Antworten?
Nicht im gleichen Sinn wie bei einer Mathematikaufgabe.
Bei der Aufgabe „17 + 24“ gibt es eine eindeutig richtige Lösung. Bei der Aussage „Ich übernehme gerne Verantwortung“ sieht das anders aus.
Trotzdem solltest du daraus nicht schließen, dass deine Antworten völlig bedeutungslos sind. Ein berufsbezogener Persönlichkeitstest soll gerade prüfen, ob bestimmte persönliche Merkmale mit dem Anforderungsprofil der Tätigkeit zusammenpassen. Hinzu kommt, dass solche Tests häufig viele ähnliche Aussagen enthalten. Damit kann unter anderem überprüft werden, ob deine Antworten insgesamt schlüssig wirken. Deshalb ist es keine gute Strategie, jede Aussage danach zu beantworten, was vermeintlich besonders „polizeilich“ klingt.
Sollte ich beim Persönlichkeitstest immer möglichst positiv antworten?
Nein. Der Versuch, überall das vermeintlich perfekte Bild abzugeben, kann problematisch sein.
Stell dir beispielsweise folgende Aussagen vor:
„Ich mache niemals Fehler.“
„Ich bin unter keinen Umständen nervös.“
„Ich komme mit jedem Menschen sofort gut zurecht.“
Eine Person, die solche Aussagen ausnahmslos maximal bestätigt, wirkt nicht automatisch besonders geeignet. Sie kann vielmehr ein unrealistisch perfektes Selbstbild vermitteln. Im Polizeiberuf geht es nicht darum, fehlerfrei oder emotionslos zu sein. Entscheidend ist vielmehr, wie du mit Fehlern, Belastungen, Kritik und schwierigen Situationen umgehst.
Deshalb solltest du Persönlichkeitstests möglichst ehrlich, spontan und konsistent beantworten.
Warum werden ähnliche Fragen mehrfach gestellt?
Das fällt vielen Bewerbern beim Persönlichkeitstest schnell auf. Manche Aussagen wirken fast gleich oder tauchen später in leicht veränderter Form noch einmal auf. Das ist häufig beabsichtigt. So kann beispielsweise geprüft werden, ob dein Antwortverhalten über den Test hinweg konsistent bleibt. Außerdem lassen sich komplexe Persönlichkeitsmerkmale nicht sinnvoll mit nur einer einzigen Frage erfassen. Wenn du ständig versuchst zu überlegen, welche Antwort wohl erwartet wird, kann das daher sogar schwieriger werden, als einfach ehrlich zu antworten.
Was bedeutet „charakterliche Eignung“ bei der Polizei?
Der Begriff geht über einen Computer-Persönlichkeitstest hinaus. Charakterliche Eignung bedeutet vereinfacht, dass deine Persönlichkeit und dein bisheriges Verhalten mit den besonderen Anforderungen des Polizeiberufs und des Beamtenverhältnisses vereinbar sein müssen.
Dabei können beispielsweise auch frühere Straftaten, bestimmte Verhaltensweisen oder Zweifel an der Zuverlässigkeit relevant werden. Die Bayerische Polizei weist etwa darauf hin, dass bei früheren Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten im Einzelfall geprüft wird, ob Zweifel an der charakterlichen Eignung bestehen. Die Polizei Sachsen überprüft Bewerber darüber hinaus unter anderem in polizeilichen Auskunftssystemen, beim Landesamt für Verfassungsschutz und im Internet auf ihre charakterliche Eignung.
Der Persönlichkeitstest ist daher nur ein möglicher Baustein einer wesentlich umfassenderen Eignungsprüfung.
Warum reicht ein Persönlichkeitstest allein nicht aus?
Menschen sind komplex. Deshalb wäre es wenig sinnvoll, die Eignung für den Polizeiberuf allein anhand eines Fragebogens zu beurteilen. Auswahlverfahren setzen stattdessen auf mehrere unterschiedliche Situationen.
Im Gruppengespräch können Beobachter beispielsweise sehen, wie du argumentierst, anderen zuhörst und mit abweichenden Meinungen umgehst. In einem Rollenspiel zeigt sich, wie du unter Druck kommunizierst. Im Einzelinterview können deine Motivation, deine bisherigen Erfahrungen und deine Selbsteinschätzung genauer besprochen werden.
Die Polizei Sachsen kombiniert ihren berufsbezogenen Persönlichkeitstest beispielsweise mit einem Gruppengespräch und einem strukturierten Einzelinterview. In Brandenburg gehören derzeit Einzelgespräch und Rollenspiel zum Auswahlverfahren.
Damit entsteht ein wesentlich umfassenderes Bild als durch einen einzelnen Test.
Welche Persönlichkeit sucht die Polizei?
Den einen perfekten „Polizeityp“ gibt es nicht. Eine Kriminalbeamtin kann andere persönliche Schwerpunkte haben als ein Beamter der Bereitschaftspolizei, ein Verkehrspolizist oder eine Führungskraft. Außerdem braucht eine moderne Polizei unterschiedliche Persönlichkeiten und Fähigkeiten. Bestimmte Eigenschaften sind für viele Polizeiaufgaben dennoch besonders wichtig. Dazu gehören beispielsweise:
Verantwortungsbewusstsein: Deine Entscheidungen können erhebliche Auswirkungen auf andere Menschen haben.
Teamfähigkeit: Polizeiarbeit ist fast immer Zusammenarbeit.
Selbstkontrolle: Auch bei Provokationen musst du professionell handeln.
Kommunikationsfähigkeit: Viele Situationen lassen sich durch gute Kommunikation entschärfen.
Belastbarkeit: Einsätze können körperlich und emotional fordernd sein.
Entscheidungsfähigkeit: In bestimmten Situationen musst du schnell handeln.
Zuverlässigkeit: Kollegen und Bürger müssen sich auf dich verlassen können.
Dabei gilt: Niemand muss in allen Bereichen perfekt sein.
Kann man für einen Persönlichkeitstest lernen?
Vokabeln oder Musterlösungen auswendig zu lernen bringt wenig. Du kannst dich aber durchaus sinnvoll vorbereiten.
Beschäftige dich zunächst ehrlich mit dir selbst:
- Was sind meine Stärken?
- Welche Schwächen habe ich?
- Wie reagiere ich auf Kritik?
- Wie verhalte ich mich bei Konflikten?
- Übernehme ich Verantwortung?
- Wie arbeite ich im Team?
- Was stresst mich?
- Wie reagiere ich unter Zeitdruck?
- Warum möchte ich zur Polizei?
Solche Fragen helfen nicht nur beim Persönlichkeitstest, sondern auch beim späteren Interview oder Assessment Center. Zusätzlich ist es sinnvoll, das typische Format von Persönlichkeitsfragebögen einmal kennenzulernen. Dann überrascht dich die Art der Fragestellung am Testtag nicht.
Kann man beim Persönlichkeitstest durchfallen?
Das hängt vom konkreten Auswahlverfahren ab. Bei manchen Polizeien ist ein berufsbezogener Persönlichkeitstest ausdrücklich Teil eines Eignungstests, für den Mindestleistungen gelten. Die Polizei Sachsen weist beispielsweise darauf hin, dass beim computergestützten Fähigkeitstest sowie bei den weiteren Eignungstests Mindestleistungen erreicht werden müssen. Wird ein Testbestandteil nicht bestanden, endet dort das laufende Auswahlverfahren.
Bei anderen Polizeibehörden gibt es keinen eigenständigen Persönlichkeitstest. Dort fließen persönliche Merkmale stärker in Interview, Assessment Center oder andere Prüfungsabschnitte ein. Du solltest deshalb immer die aktuellen Vorgaben deiner konkreten Wunschpolizei prüfen.
Persönlichkeitstest und psychologische Untersuchung – ist das dasselbe?
Nein. Ein Persönlichkeitstest im Auswahlverfahren ist zunächst ein eignungsdiagnostisches Verfahren. Er soll bestimmte berufsrelevante persönliche Merkmale erfassen.
Davon zu unterscheiden ist die polizeiärztliche beziehungsweise gesundheitliche Untersuchung. Dort wird geprüft, ob du gesundheitlich für den Polizeivollzugsdienst geeignet bist. Dazu können körperliche Untersuchungen und je nach medizinischer Fragestellung weitere Abklärungen gehören.
Auch ein sogenanntes psychologisches Messverfahren muss nicht automatisch ein Persönlichkeitstest sein. Bei der Polizei Brandenburg umfasst das derzeit so bezeichnete computergestützte Verfahren beispielsweise mathematische und kommunikative Fähigkeiten sowie logisches und abstraktes Denken.
Deshalb lohnt es sich immer, genau hinzusehen, was deine Wunschpolizei mit den jeweiligen Begriffen meint.
Warum ist die Persönlichkeit im Polizeiberuf so wichtig?
Eine typische Einsatzsituation macht es deutlich: Du triffst auf zwei Menschen, die lautstark streiten. Beide sind aufgebracht, widersprechen sich und verlangen von dir sofort eine Entscheidung. Jetzt reicht es nicht, das Gesetz auswendig zu kennen. Du musst aufmerksam zuhören, die Situation einschätzen, ruhig kommunizieren, dich durchsetzen können und trotzdem fair bleiben. Gleichzeitig darfst du dich nicht provozieren lassen und musst deine Maßnahmen rechtlich korrekt begründen.
Genau deshalb prüft die Polizei nicht nur, was du weißt, sondern auch, wie du dich verhältst. Der Persönlichkeitstest ist – sofern deine Wunschpolizei ihn einsetzt – ein Baustein, um genau diese persönliche Eignung einzuschätzen.
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